Bildung und Geschichte: Das Tal der Könige

Bildungsreise - Im Tal der Könige bei Luxor

Sammelbecken.de - Bildung und Bildungstheorien:

Die Definition des Gelehrten Wilhelm von Humboldts vom Begriff Bildung:
Der wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt – ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. (Wilhelm von Humboldt (1791/92): Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen).

Erster Aspekt Bildung ist, wenn man so will, die Voraussetzung für das bare Überleben: damit das Individuum im Konkurrieren in der Gesellschaft nicht untergehe; andererseits für menschliches Überleben: damit das Individuum sich angesichts der allgemeinen Orientierungskrise selbst entdecke, sich seiner schöpferischen Kräfte bewusst werde, seine Identität finde.

Zweiter Aspekt Bildung des Bewusstseins und die dabei zu leistende Anstrengung verweisen aber nicht nur auf die Bedürfnisse des Individuums. Sie sind auch „unerlässliche Voraussetzung für veränderliches Wirken" in der Gesellschaft, sind Voraussetzung für den „Fortschritt der Humanität".

Dritter Aspekt Bildung als Voraussetzung für Überleben ist inhaltlich an die „Aneignung der kulturellen Hinterlassenschaft" gebunden. Diese Aneignung erfordert Anstrengung, Ertragen von Enttäuschung, Sublimierung und innere Disziplin.

Ergebnis: Ohne Bildung, die ihrerseits Anstrengung und innere Disziplin erfordert, ist Mündigkeit nicht zu erreichen.

Bildung ist erstens das, was "der sich bildende Mensch" aus sich zu machen versucht, ein Vorgang mehr als ein Besitz.

Bildung ist zweitens das, was dem Menschen ermöglicht, in der Welt, in die er gestellt ist, zu überleben. Sie ist mithin die Gesamtheit des Wissens und der Fertigkeiten, der Einstellungen und Verhaltensweisen, die für Orientierung und Überleben erforderlich sind, und kann als praktische Bildung bezeichnet werden.

Bildung ist drittens das, was der Gemeinschaft erlaubt, gesittet und friedlich, in Freiheit und mit einem Anspruch auf Glück zu bestehen.

Sie richtet den Blick des Einzelnen auf das Gemeinwohl, auf Existenz, Kenntnis und Einhaltung von Rechten und Pflichten, auf die Verteidigung der Freiheit und die Achtung für Ordnungen und Anstand.


In einer Studie interpretiert und differenziert Klafki Bildung als den zentralen Zielbegriff der Didaktik wie folgt:

Bildung kann nicht mehr individualistisch oder subjektivistisch verstanden, sondern muss auf die Mitmenschlichkeit, die Gesellschaftlichkeit und auf die politische Existenz des Menschen bezogen gedacht werden.

Bildung ist eine positive Form, sich auf die Existenz in der Welt einzustellen. Sie meint im Kern eine innere Haltung und Geformtheit, ist jedoch immer und von vornherein auch auf einen Beruf bezogen.

Bildung kann nicht mehr an harmonistischen Zielvorstellungen orientiert werden. Sie ist vielmehr als eine Haltung zu verstehen und zu ermöglichen, die dazu hilft, Konflikte zu bewältigen oder zu ertragen.

Zur Bildung gehört auch und unverzichtbar die sittliche Dimension der menschlichen Existenz.

Bildung kann nicht mehr als eine sozialständische Kategorie verstanden werden. Der inhaltliche und organisatorische Aufbau von Bildungsarbeit soll geradezu das Beispiel einer demokratischen und mobilen Gesellschaft der Gleichberechtigten und sozial Gleichwertigen sein.

Bildung muss grundsätzlich auf einen „weltweiten Horizont" hin orientiert sein. Bildung muss sich als dynamisch, wandlungsfähig und offen verstehen.

Im Laufe der Zeit sind die unterschiedlichsten Versuche unternommen worden, den Begriff der Bildung näher zu bestimmen und mit Inhalt zu füllen. Betrachtet man die verschiedenen Theorien von Bildung näher, so erweisen sie sich als jeweils besonders herausgehobene Aspekte einer zusammengehörenden Bildungstheorie. Sie sind keine einander ausschließenden Definitionen, obwohl sie sich in ihrer geschichtlichen Entfaltung zumeist scharf und ausdrücklich gegeneinander abgesetzt haben. Ein integratives Verständnis von Bildung sollte also diese Aspekte mehr in ihrer Zusammengehörigkeit als in ihrer Gegnerschaft zeigen und sie unbeschadet ihrer Unterschiedlichkeit in ihrem strukturellen Zusammenhang darstellen. Die folgenden Aspekte einer in dieser Form verstandenen Theorie von Bildung lassen sich im Anschluss an Erich E. GEISZLER (1981) herausarbeiten und benennen:
Erster Aspekt einer auf Grundfragen menschlichen Lebens ausgerichteten zweckfreien Bildung, der traditionellen Allgemeinbildung. Teilhabe an der Kultur ist - so schreibt Manfred FUHRMANN, 2000 - in unserer Zeit keine Sache unreflektierter Tradition. Sie bedarf vielmehr des Lernens, der Kenntnisse, der Reflexion - mithin der Bildung. Alfred K. TREML (1994, S. 536) bezeichnet es als einen weitverbreiteten Irrtum, Erziehung müßte vor allem Wissen vermitteln. "Viel wichtiger, und zunehmend wichtiger wird es jedoch, mit der Unwissenheit umgehen zu können."
Zweiter Aspekt einer formalen Bildung in ihren drei Bereichen: Verfahren systematischer Arbeit zu beherrschen, Fähigkeit zur Bewältigung von Problemen zu besitzen, über exemplarische, d.h. zentral wichtige Informiertheit zu verfügen
Dritter Aspekt der auf Verwendungsbezüge und Weltorientiertheit ausgerichteten pragmatischen Bildung. Auf dessen Dignität hat kürzlich Rudolf MESSNER hingewiesen. Für den Pragmatismus gelte als Wahrheitskriterium der Bildung die Bewährung im tätigen Leben. Die damit verbundene aktuelle Problematik wird unten unter Nr. 11.1 erörtert.
Vierter Aspekt einer sozial orientierten Bildung, die immer in der Spannung von Tradition und Kritik, Bewahrung und Weiterführung steht.
Fünfter Aspekt einer auf Selbstbeherrschung und ethische Entscheidungsfähigkeit zielenden Bildung.