Frank van Acker

Frank van Acker

Brügge sehen… und sterben

Brügge ist eines der beliebtesten Reiseziele Europas, nicht erst seit dem Erfolg des irisch-belgischen Kultfilm „Brügge sehen… und sterben“ (mit Colin Farrell, Brendan Gleeson und Ralph Fiennes. Regie und Drehbuch: Martin McDonagh).

Während im Film eifrig geschossen wird, ist Brügge in seiner langen Geschichte weitgehend von Gewalt, Kriegen und Zerstörungen verschont geblieben. Dies nicht nur wegen seiner soliden Stadtbefestigungen, sondern auch, weil die Stadt für Eroberer uninteressant wurde.

Bierflaschensammlung

Bierflaschensammlung

Der Grund: Nach einer 350jährigen Blütezeit versandten die zum Meer führenden Kanäle. Schiffe kamen so nicht mehr in die Stadt, Brügge verlor an Bedeutung, verarmte und wurde für Kriegsherren uninteressant.
Für Urlauber im 21. Jahrhundert ist Brügge dafür umso spannender, schließlich hat sich in der gesamten Innenstadt seit dem Mittelalter nur wenig verändert. Die Einwohner kamen soeben über die Runden, für Erweiterungen, Abrisse und Neubauten war kein Geld vorhanden...

Belfried Kanal

Belfried Kanal

- Umso mehr sprudeln die Einnahmen seit dem Aufkommen des modernen Tourismus. Auch bei meinem Besuch war die Stadt voller Menschen.
Neben vielen Deutschen waren erstaunlich viele Spanier zu sehen. Vielleicht ist das Interesse an Brügge so groß, weil die Stadt längere Zeit zu den spanischen Niederlanden gehörte, vielleicht sind es aber auch die Billigflieger „Schuld“, die nicht nur Belgier preiswert nach Spanien, sondern auch Spanier nach Belgien bringen. Außerdem bevölkerten Chinesen, Japaner, US-Amerikaner, Franzosen, Holländer, Osteuropäer usw. die Stadt.

Markt

Markt

Ein Muss für jeden Besucher ist ein Aufstieg auf das Wahrzeichen der Stadt, den Belfried (weltlicher Glockenturm - Zeichen der Macht der Zünfte und Kaufleute). 366 Stufen über eine enge Wendeltreppe sind zu bewältigen, bevor die oberste Plattform erreicht ist. Allerdings besteht die Möglichkeit auf verschiedenen Zwischenebenen Pausen einzulegen. Wenn »Gegenverkehr« herrscht, wird es auf der Treppe ziemlich eng, allerdings dürfen immer nur 70 Personen in den Belfried hinein, was die Staus vor die Kassen verlegt.

Alkoven

Die Alkoven im Königinnen Astrid Park

Der Weg hinauf auf die oberste Ebene des Belfrieds lohnt sich. Der Blick über die Stadt und das Umland ist grandios. Und bei schönem Wetter können Besucher bis zur Hafenstadt Zeebrügge und zum Badeort Blankenberge sehen. Außerdem lässt sich von oben gut erkennen, dass wirklich die gesamte Innenstadt aus dem Mittelalter stammt. Aber, das wird auch bei Spaziergängen durch die Stadt deutlich.

Die alten Verteidigungsanlagen, die die Innenstadt umgeben, sind heute gut in einen hübschen Grüngürtel integriert. Beeindruckend: die alten Stadttore. Es sind vier erhalten: Gentpoort, Kruispoort, Smedenpoort und Ezelpoort. Sie sind zudem gute Orientierungspunkte.

Brügge

Fotografin bei der Arbeit

Vor den alten Verteidigungsanlagen liegen Kanäle, auf denen teilweise noch kleine Lastkähne fahren. Brücken ermöglichen die Zufahrt zur Stadt und Schleusen sorgen dafür, dass der Wasserstand der Innerstädtischen Kanäle immer gleich bleibt – stark schwankende Wasserstände wären für die alte Bausubstanz der zahlreichen Gebäude, die direkt an einen der Kanäle liegen, gar nicht gut. Überhaupt die Kanäle, sie gaben der Stadt den Beinamen „Venedig Flanderns“.
Wenn Vergleiche erlaubt sind: Meiner Meinung nach wäre der Vergleich mit Amsterdam passender.

Sankt Salvator Kathedrale

Sankt Salvator Kathedrale

Allerdings ist Brügge deutlich weniger flippig als die Großstadt in den benachbarten Niederlanden, obwohl auch hier viele junge Menschen auf den Straßen zu sehen sind, viel mehr als in so mancher historischen Stadt Deutschlands, wo manchmal ältere Semester das Straßenbild beherrschen. In Brügge ist zum Beispiel das College of Europe beheimatet, eine Uni, die zahlreiche Studenten aus ganz Europa verschiedene Studiengänge anbietet.

Obwohl die ganze Stadt aus Sehenswürdigkeiten zu bestehen scheint, lohnt sich es sich doch, einen Reiseführer mit Karte aus Deutschland mitzubringen. Die vor Ort erhältlichen Städteführer sind unzureichend, sie gehen beispielsweise kaum auf die örtlichen Museen ein.

Musiker

Musiker

Wichtige Besuchspunkte bei jedem Stadtrundgang sind Marktplatz (Grote Markt), Belfried (weltlicher Glockenturm), Sint-Salvator-Kathedrale und Liebfrauenkirche mit der Madonna von Michelangelo.

Jetzt zu den Museen. Die Auswahl ist groß. Wie wäre es mit Groeningemuseum (Gemälde: Renaissance, Barock, Klassizismus, Expressionismus), Arentshuis (Arbeiten des Künstlers Frank Brangwyn), Archäologie-, Diamanten-, Schokoladen-, Pommes-Frites-, Hospital- oder Lampenmuseum? Für alle, die mit dem Auto aus Deutschland anreisen, ist es sinnvoll sich zeitig auf den Weg zu machen.

Innenstadt

Innenstadt

Fast immer muss man entweder an Brüssel oder an Antwerpen vorbei fahren, Großstädte in denen das Wort Stau nicht unbekannt ist. Moderne Navis finden aber zum Glück so manche Alternativroute. Es empfiehlt sich außerhalb der Stadt zu parken, wer rechtzeitig anreist, der findet ausreichend kostenlose Parkplätze, zum Beispiel an der Straße Buiten-Gentpoortvest, einer Straße am Kanal der die Stadt umgibt. Wer mit dem Flugzeug anreist: Vom internationalen Flughafen Brüssel sind es nur eine gute Stunde bis Brügge.