Strandleben

Strandleben in Hendaye

Die baskische Küste

Anschließend machten wir uns auf den Weg ans Meer, eine Fahrt von etwa 95 Minuten. Allerdings zeigte das Navi nach zwanzig Minuten einen Stau an, um das es uns nach etwas Rechnerei aber vorbeilotste: Natürlich über Nebenstraßen. Darüber waren wir nicht unglücklich, bekommt man doch über Nebenstraßen meist deutlich mehr vom Land zu sehen. Auf dem Weg zu unserem Ziel stoppten wir noch kurz bei einem baskischen Dorffest, um der örtlichen Musikkapelle zu lauschen, fuhren aber bald weiter.
Auf dem Campingplatz Euskalduna checkten wir ein, bauten unser Zelt auf, bliesen die Luftbetten auf, schlossen unsere Absorberkühlbox ans Stromnetz an und packten unsere Klamotten ins Zelt. Nach dem Zeltaufbau fuhren nochmal zurück in Richtung Norden. Wir wollten uns in einem großen Supermarkt unweit von St.-Jean-de-Luz mit fehlenden Lebensmitteln versorgen.

Felsküste bei Ebbe

Anschließend verbrachten wir einige Stunden an dem herrlichen Sandstrand von Hendaye, schwammen im Meer, gingen gemütlich am Wasser spazieren und fuhren anschließend zurück zum Campingplatz, um in Ruhe ein leckeres Abendessen vorzubereiten.

Muscheln, Krebsen und Meeresschnecken

Am folgenden Tag gingen wir zur etwa 100 Meter vom Campingplatz entfernten Steilküste und genossen zunächst einmal den weiten Blick über das Meer und die Küste.
Aber, wir hatten mehr im Sinn, schließlich hatten wir uns kleine Netze und Eimer mitgebracht, um Muscheln, Meeresschnecken und Krebse zu fangen. Dazu mussten wir erst einmal ans Wasser gelangen. Es war nicht einfach und es gehörte etwas Mut dazu den Steilhang herunter zu klettern, aber wir schafften es.

Küstenwanderweg

Cote Basque - Landschaft und Küstenwanderweg unmittelbar hinter der Steilküste

Am einfachsten war es Napfschnecken zu sammeln. Da wir diese Schnecken, die eher wie Muscheln aussehen, von Südholland her kannten, hatten wir wohlweislich Austernmesser mitgenommen. Ohne diese stabilen Messer (es geht auch mit einem Schraubenzieher, aber Vorsicht, nicht abrutschen) ist es fast unmöglich diese Meeresschneckenart vom Untergrund zu lösen.

Es herrschte ungewöhnlich niedrige Ebbe, so dass mehr Plätze trocken fielen als an normalen Tagen und so auch mehr Napfschnecken zu erreichen waren. Trotz leichter Strandschuhe, die die Füße vor den scharfen Felsen schützen sollten, waren unsere Füße hinterher ziemlich lädiert, allein schon durch das permanente seitliche Wegrutschen auf dem nassen Untergrund. Die Ausbeute war gut. Wellhornschnecken und Austern waren willkommener "Beifang".

Campingplatz Euskalduna

Landschaft unweit des Campingplatzes Euskalduna

Wir haben auch Krabben gejagt, natürlich nur mit dem Netz, aber obgleich wir hunderte sahen, sobald wir uns näherten, versteckten sie sich zwischen den Felsen und waren auch nicht mit Ködern aus ihrem Versteck zu locken. Merkwürdig, an anderen Küsten klappte dies immer sehr gut. Auch nach Miesmuscheln hielten wir Ausschau: ohne Erfolg.

Nachdem wir eine gute Menge von den Napfschnecken gesammelt hatten, stiegen wir wieder den Abhang hoch und kochten unsere Beute vor unserem Zelt.

Die Meeressschnecken schmeckten wie eine Mischung zwischen Miesmuschel und mildem Tintenfisch, etwas Baguette und ein Glas Wein dazu, c’est Tout.

Euskalduna-Kindertanz

Kinderanimation auf dem Campingpatz Euskalduna

Umzug und Baskenfest in Hendaye

So, eigentlich war der Tag lang genug gewesen und in der Sonne sitzen und den heranbrechenden Abend genießen ist auch nicht schlecht, aber in irgendeinem Prospekt war die Rede von einem Umzug in Hendaye. Na gut, also ging es am frühen Abend nach Hendaye, Auto parken und das Ort des Geschehens suchen. dieser war schnell gefunden und dann hieß es erst einmalwarten. Wir setzten uns auf eine Wiese auf dem Platz bei der Rue d´Irun und warteten eine Stunde. Da es viel zu sehen gab, war uns dabei in keiner Weise langweilig.

Der Umzug kündigte sich mit einer wachsenden Unruhe unter den Zuschauern und fernen Klängen an. So suchte ich mir einen Platz am Straßenrand, um einige Fotos schießen zu können. Zuerst erschienen einige überdimensionierte Figuren (Umzugsriesen, Prozessionsfiguren, Samsonfiguren), wie man sie auch von anderen Festen in Spanien oder Frankreich kennt. Danach folgten diverse Wagen, Musik- und Fußgruppen. Vor allem einige stämmige Ochsen mit ihren langen Hörnern beeindruckten.

Baskenfest

Baskenfest in Hendaye

Die baskischen Teilnehmer haben sich mit viel Spaß und guter Laune selber gefeiert, einen Festumzug mit so ausgelassenen Menschen sieht man selten. Basken lieben anscheinend nicht nur gutes Essen und Trinken, sondern auch das Feste feiern. Für unbeteiligte Zuschauer wie uns war das Ganze wirklich sehr nett und interessant.

Ein Vormittag in Ciboure

Am Montag, den 15. August war die Frage: Was tun? Es war warm, aber trübe und die Geschäfte waren zu. Am 15.August ist Mariä Himmelfahrt, in Frankreich und Spanien ein gesetzlicher Feiertag. Wir beschlossen mit dem Auto zur Nachbarstadt Ciboure zu fahren. Erst bummelten wir über einen kleinen Obst- und Gemüsemarkt, kauften aber nichts, sondern schlenderten in Richtung der langen Hafenmole. Da es noch früh am Tag war und zudem der bewölkte Himmel sicherlich viele Urlauber zum Ausschlafen animiert hatte, waren nur wenige Menschen unterwegs.

Musik

Musik gehört dazu

Von der Mole hatten wir einen prima Blick auf Ciboure und Saint-Jean-de-Luz (baskisch Donibane Lohizune). In der geschützten Bucht war eine Segelschule unterwegs und Boote liefen in den Hafen ein oder aus. Am Meer ist halt immer etwas los, vor allem in der Urlaubszeit.

Sportangler im Glück

Auf der Mole selber versuchten zudem einige Angler ihr Glück auf Meeräsche, während in der weiten Bucht Segellehrer ihre Schüler unterrichteten. Auf dem Weg zurück zum Auto begegneten wir einem jungen Angler, der mit seinem Kajak auf dem Meer zwei schöne große Seebarsche gefangen hat. Sichtlich stolz hatte er nichts gegen ein Foto einzuwenden.
Am Nachmittag versuchte ich bei auflaufendem Wasser selber mein Glück beim Meeresangeln. Glücklicherweise ist das Meeresangeln in Frankreich frei, so dass keine zeitraubenden Behördengänge nötig sind, wenn man während des Urlaubs mal eine Angel auswerfen möchte.

Ochsen

Ochsen

Das Klettern über glitschige Steine und Felsen in der wilden Brandung war zwar recht abenteuerlich und gefährlich, aber die Angelei selber war nicht von Erfolg gekrönt, weder beim Angeln mit der Wasserkugel an der Oberfläche, noch mit Blinker im Mittelwasser.

Dann versuchte ich es mit einer Grundangelmontage, war allerdings darauf gefasst, dass Haken und Blei im felsigen Untergrund hängen blieben würden. Aber merkwürdigerweise war das kein Problem. Und dann hatte ich sogar Glück, ein kleinerer Lippfisch verirrte sich an den Haken, der aber unversehrt zurückgesetzt wurde.
Vor dem Abendessen fuhren wir noch kurz mit dem Bus nach Hendaye, um irgendeine Kleinigkeit einzukaufen. Bei der Gelegenheit entdeckten wir eine ältere Dame mit einem Meeresfrüchtestand. Unter anderem hatte sie Austern ab drei Euro das Dutzend im Angebot: Zwei Dutzend Austern für sechs Euro, eine leckere Bereicherung des Abendessens.

Seebarsche

Sportangler mit Seebarschen

Übrigens, die Gäste der Campingplätze von Hendaye können einen kostenlosen Bus nutzen, der alle halbe Stunde – von einer 1 1/2stündigen Pause am Nachmittag abgesehen – zum Strand und zurück fährt. Vor allem für Familien mit kleineren Kindern ein wichtiger und viel Geld sparender Service, fahren doch viele Campinggäste zweimal am Tag zum Strand und zurück.

San Sebastian

Am folgenden Tag stand eine Fahrt nach San Sebastian auf dem Programm. Die beliebte baskische Stadt liegt nur 30 Autominuten von Hendaye entfernt.
Auch hier erlebten wir die typische Zweiteilung des Wetters. Bis zum späten Vormittag bewölkt, aber mild und bis auf wenige Tropfen weitgehend trocken und ab mittags Sonne pur. So kann man vormittags Ausschlafen, über Märkte bummeln oder einfach nur gemütlich Frühstücken oder Lesen und nachmittags zum Strand gehen.

San Sebastian

San Sebastian

Auch in San Sebastian war es zunächst bewölkt. Wir schlenderten als Erstes von unserem Parkhaus in Strandnähe durch die Altstadt mit ihren engen Gassen und zahlreichen Restaurants und Pintxosbars. Hier legten wir auch gleich eine Pause ein, um einige der phantasievollen Kreationen zu kosten. Außerdem besichtigten wir zwei Kirchen, die uns aber nicht gefielen, so war der Aufenthalt nur von kurzer Dauer.

Pintxos

Pintxos sind baskische Tapas, die meist mit einem Zahnstocher zusammengehalten werden. Da die Einwohner der Stadt oft selber kochen, in keiner Stadt der Welt gibt es beispielsweise so viele Männerkochclubs, können nur Pintxosbars bestehen, die qualitativ überzeugend sind.

Pintxos

Pintxos

Nach der Pause ging es weiter in den Ostteil der Stadt. Hier liegt der Strand Playa de Zurriola, kleiner als der Hauptstrand Playa de La Concha, aber mit ebenso feinen und hellen Sand.
Trotz der Wolken hielten sich viele Menschen am Strand und im Wasser auf. Wir allerdings marschierten weiter in Richtung Kursaal, ein auffallendes Glaspalast, das vor mehr als 110 Jahren nach Plänen des Architekten José Rafael Moneo Vallés errichtet wurde. Ich wusste gar nicht, dass man Ende des 19. Jahrhunderts bereits so modern bauen konnte. Der Kursaal wird übrigens für Kongresse, Musikevents und verschiedene Festivals genutzt.

Altstadt

Blick auf die Altstadt von San Sebastian

Hinter dem Kursaal fand ein kleiner Markt mit kulinarischen Spezialitäten aus Mittel- und Südamerika statt. Außerdem war eine Bühne aufgebaut, auf der eine Band spielte. Ein kleines Fernsehteam machte einige Aufnahmen, ansonsten hielt sich der Andrang in Grenzen, kein Wunder, es wurde noch fleißig vorbereitet, einige Stände hatten noch gar nicht geöffnet.
Dann ging es ins langsam in Richtung des südlich der Altstadt gelegenen Zentrums. Hier hielten wir uns nur kurz auf, schauten in die unterirdische Markthallen hinein, in denen allerdings wegen des Feiertags am Vortag nicht so sehr viele Stände geöffnet hatten. Trotzdem machte es Spaß die urigen Fische, leckeren Schinken und das frische Gemüse zu betrachten.
Da wir noch einige Kilometer laufen wollten, verzichteten wir auf Einkäufe. Zudem kam inzwischen die Sonne hinter den Wolken zum Vorschein gekommen und es wurde langsam heiß.

Windkämme von Eduardo Chillida

Wir legten noch eine kleine Pause mit Txakoli und Pintxos ein und marschierten in Richtung Windkämme. Die Windkämme liegen am Westteil der Hauptbucht von San Sebastian, genannt La Concha, von der Altstadt aus ein gutes Stück zu laufen: Aber bei so einem Blick.

Windkämme

Die Windkämme (Peine del viento) sind Eisenskulpturen des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida, einem der bekanntesten Künstlers Spanien. Auch in verschiedenen deutschen Städten sind seine Arbeiten zu finden. Leider ist das wunderschöne Chillida-Museum etwas außerhalb von San Sebastian zur Zeit geschlossen (wegen der Finanzkrise), aber spätestens 2016, in dem Jahr in dem San Sebastian Kulturhauptstadt Europas wird, soll es wieder geöffnet werden. Ich hatte Glück das Glück, das Museum im Herbst 2010 besuchen zu dürfen. Vielleicht macht es ja schon früher wieder auf.

Am Strand

Am Strand

Nach einer kleinen Pause bei den Windkämmen ging es wieder zurück. Nochmals ein kleiner Bummel durch die Altstadt und zum Parkhaus. Auf dem Weg zurück ins französische Baskenland tankten wir noch, schließlich war in Spanien der Liter Benzin etwa 15 Cent billiger als im Nachbarland.

Ein ausgesprochen ruhiger Tag

Der Mittwoch war ein ausgesprochen fauler Tag: Ausschlafen, Duschen, Baguette kaufen, Kaffee kochen - wir hatten unsere Kaffeepads-Maschine mitgenommen - und in Ruhe lesen. Zwischendurch ein Schluck Kaffee, etwas Baguette, mehr braucht es nicht zum Glück.
Auch ein Miniausflug an die Küste stand auf dem Programm. Brombeeren pflücken war angesagt und zehn Minuten zur Nachbarbucht gehen, um zu sehen, ob sich bei auflaufendem Wasser etwas tut, d.h. ob einheimische Angler Fische gefangen haben. Was aber nicht der Fall war.

Wochenmarkt

Wochenmarkt bei Itxassou

Nachmittags ging es zum Pool des Campingplatzes, im Wasser etwas abkühlen und dann weiterlesen und abends schauten wir uns das Animationsprogramm des Campingplatzes an und tranken dabei ein Glas Wein.

Itxassou und Espelette

Am Donnerstag ging es in die Berge, zuerst ein kleines Stück Autobahn und dann über immer schmalere und kurvigere Straßen. Das der Fahrt war eine halbe Autostunde entfernt und hieß Itxassou. Laut einer Übersicht der Märkte der Region sollte hier ein Wochenmarkt stattfinden. Und so war es auch. Allerdings waren wir überrascht, wie klein der Markt war: ein Fisch- und Meeresfrüchtewagen, einer mit Fleisch und Wurst, einer mit Obst, Gemüse und Kräutern, ein Ziegenkäsestand, einer mit Hartkäse, einmal frische und gebratene Hühner und Foi Gras. Außerdem wurden Tassen, Tücher und ähnliches verkauft: Das war es. Trotzdem, es war ein netter kleiner Markt, vor allem weil die Produkte von örtlichen Erzeugern stammten. Die bergige Landschaft rund um Itxassou präsentierte sich Üppiggrün und zudem war es angenehm warm.

Schinken und Paprika

Schinken und frischer Paprika aus Espelette

Am Rande von Itxassou stießen wir auf ein nettes Café/Restaurant mit baskischem Cidre, Honig, selbstgebackenen Kuchen und kleinen Gerichten. Hier tranken wir Kaffee, aßen ein Stück Kuchen, genossen den Blick über die baskische Pyrenäenlandschaft und schauten uns anschließend eine kleine Fotoausstellung in einigen Nebenräumen an.
Danach ging die Fahrt weiter, ganz ohne Navi nur nach Gefühl und Hinweisschildern. So kamen wir zufällig auch an Espelette vorbei. Ein gut gefüllter Busparkplatz und jede Menge geparkter PKWs aus ganz Frankreich machten uns neugierig und animierten zum Parken, obgleich ich doch etwas skeptisch war. Aber es war netter als vermutet, obgleich schon ein gewisser Rummel herrschte.

Piment d’Espelette - AOC-Paprikapulver

Alles stand im Zeichen des Paprikapulvers, schließlich ist der Paprika aus der Region mit dem Prädikat A.O.C. (Appellation d’Origine Contrôlée) geadelt, was sich natürlich im Preis niederschlägt.

Restaurant

Restaurant in Espelette

Ein 45 Gramm Gläschen des Paprikas kostet 4,50 €, außerhalb des Ortes 5,50 oder 6,50 und in Deutschland bis zu 10,50 €. Aber er ist seinen Preis wert. Zum Testen wird das Paprikapulver in ein Probierglas (eine Art Sherryglas) geschüttet. Dann kann man die Farbe und den Geruch sehr gut prüfen. Zum Schmecken nimmt man eine kleine Menge Pulver mit Hilfe eines Plastikstabes, wie man sie vom Kaffee-Umrühren kennt, in den Mund.

Wer oft selber kocht, der kann auch größere Mengen in Beuteln kaufen, dann wird es etwas billiger. Wir hatten uns bereits in Itxassou zu einem guten Preis eingedeckt.

Baskische Berglandschaft

Baskische Berglandschaft

Das Piment d’Espelette darf in zehn Dörfern produziert werden, es sind Aïnhoa, Cambo-les-Bains, Espelette, Halsou, Itxassou, Jatxou, Larressore, Saint-Pée-sur-Nivelle, Souraïde und Ustaritz.
Der Bummel durch die Straßen von Espelette mit seinen Fachwerkhäusern im baskischen Stil war entspannend. Es war nicht zu voll, wir schauten überall rein, egal ob Metzgereien, Parfümerien oder Boutiquen. Und fuhren dann in Richtung Hendaye zurück. Den Rest des Tages verbrachten wir am Strand.




Zu Teil 3