Bidasoa

Bidasoa - der Grenzfluss zwischen Frankreich und Spanien

Quer durch Frankreich

Erster Urlaubstag, sieben Uhr morgens: Ab ins Auto und los. Erst in Richtung Mönchengladbach, dann Aachen, über die Grenze nach Belgien Richtung Lüttich, Spa, kurze Zeit später die Grenze nach Frankreich. Das Wetter war okay – heiter bis wolkig – und so genossen wir die schöne Landschaft mit seinen kleinen Bergen, den Feldern, Wiesen und Wäldern… Kurz vor der französischen Grenze: Stau. Ein LKW mit Anhänger war vor einem Kreisverkehr liegen geblieben und konnte erst nach einer Stunde wieder flott gemacht werden, egal. Wir hatten ausreichend Zeit mitgebracht und mit Staus muss man leider immer rechnen.

Die Kathedrale von Reims

Die Fahrt ging weiter, mittags erreichten wir Reims, das Zentrum des Weinanbaugebiets Champagne. Die Region war bereits vor mehr als 3.000 Jahren besiedelt und auch den Kelten gefiel es hier, sie gründeten auf dem heutigen Stadtgebiet eine Siedlung aus der später eine Römerstadt wurde.

Reims - Champagner und Könige

Die Lage an verschiedenen Handelswegen und das fruchtbare Umland sorgten für stetigen Wohlstand. Als wir am frühen Mittag in Reims ankamen, wirkte die Stadt sehr ruhig, Parkplätze gab es zuhauf. Klar, im Urlaubsmonat August sind viele französische Städte wie ausgestorben, es sie denn, sie liegen in einer Urlaubsregion.
Rund um die Kathedrale war dann allerdings doch ein wenig Leben. Die berühmte Kirche aus dem 14. Jahrhundert ist wirklich einen Besuch wert. Hier wurden vom 12. bis zum 19. Jahrhundert die französischen Könige gekrönt. Weitere Sehenswürdigkeiten in der Stadt sind der Palast von Tau, die Basilika Saint-Remi und das Grand Théâtre.

Kathedrale

Reims - Rückseite der Kathedrale

Wer Zeit mitbringt, der kann auch eine der ansässigen Champagnerhäuser besichtigen und an einer Champagnerprobe teilnehmen. Wir allerdings verzichteten aus Zeitgründen drauf und fuhren weiter durch die sanft geschwungene Landschaft des Départements Marne in der Region Champagne-Ardenne: Eine weite Landschaft mit großen fruchtbaren Feldern, aber teilweise etwas eintönig wirkend.

Troyes an der Seine

Weiter ging die Reise, streckenweise auf Autobahnen, aber meist auf Nationalstraßen, quer durch Frankreich. Nachmittags erreichten wir Troyes (Region Champagne-Ardenne, Departement Aube) und beschlossen spontan einen Stopp einzulegen, eine Entscheidung, die wir nicht bereut haben.

Troyes

Altstadt von Troyes

Troyes besitzt einen recht großen, weitgehend mittelalterlichen Stadtkern mit zahlreichen hübsch restaurierten Fachwerkhäusern. Es ist eine lebendige Stadt, die auch von vielen Urlaubern besucht wird, die an den großen Seen im nahen Naturpark Parc naturel régional de la Forêt d’Orient ihre Ferien verbringen. Troyes liegt am Oberlauf der Seine. Der Fluss (hier eher Flüsschen) ist im Stadtgebiet leider in ein Betonkorsett eingezwängt und wenig attraktiv.

Monéteau an der Yonne

An diesem ersten Tag erreichten wir gegen Abend die Umgebung von Auxerre. In der Ortschaft Monéteau (Region Bourgogne, Département Yonne) checkten wir im dortigen Cerise-Hotel ein. Da Monéteau malerisch an der Yonne gelegen ist, suchten wir uns anschließend ein nettes Plätzchen am Ufer des Flusses unweit eines kleinen Parks, um ein Picknick zu machen.

Meneteau

Monéteau - Abends an der Yonne

Unser Essen bestand aus einer Art Pot-au-feu, welches wir tiefgefroren mitgenommen hatten und uns im Trangia-Sturmkocher erhitzten, ein Baguette, etwas Ziegenkäse und Wein: Ein guter Abschluss des ersten Urlaubstages.

Der zweite Tag: Von Auxerre weiter in Richtung Süden

Morgens früh fuhren wir zuerst ins nahe Auxerre, parkten auf dem Marktplatz, fotografierten das hübsche „Hotel de la Poste“, bummelten durch die malerische Innenstadt, bestaunten die mittelalterlichen Häuser und besichtigten die Kathedrale. In der Stadt war zu der Zeit noch nicht viel los, nur einige Cafes öffneten langsam, um ersten Gästen einen Kaffee oder ein Frühstück zu servieren.

Auxerre

Marktplatz von Auxerre

Dann ging es für uns weiter nach Südwesten. Unser Ziel war Burg Guédelon. Die Burg ist kein Überbleibsel aus dem Mittelalter, das für Besucher auf Vordermann gebracht wurde, sondern eine Burg im Entstehen!
Um zu verstehen wie vor 1.000 Jahren gebaut wurde, so ganz ohne Maschinen und andere moderne Hilfsmittel, werden ausschließlich mit mittelalterlichen Methoden Brunnen gegraben, Steine gebrochen (60.000 Tonnen werden es am Ende sein) und bearbeitet, Körbe hergestellt, Seile gedreht, Mörtel gemischt, Gebäude für die Handwerker errichtet, Schindeln aus Holz hergestellt und vieles mehr.

Burg Guédelon

Guédelon

Burg Guédelon Holzschindeln für die Hütten

Die zwei Autostunden von Paris oder sieben Stunden von Köln oder Frankfurt entfernt liegende Burg ist im Sommerhalbjahr ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Wir erreichten das Burggelände so gegen 10.30 Uhr. Der erste Parkplatz war bereits gut belegt und an den fünf Kassen hatten sich Schlangen gebildet, aber nach einer viertel Stunde waren wir durch. Ein Blick in den Andenkenladen und dann marschierten wir aufs Gelände.

Blick auf Burg Guédelon

Blick auf Burg Guédelon

Hier verteilten sich die Besucher recht schnell. Manche gingen gleich zur Burg, manche erst ins Restaurant und andere, wie wir auch, wollten erst einmal die Handwerker und ihre Hütten besuchen. Die Sonne schien durch die Zweige der Bäume – ein Großteil des Geländes liegt im Wald – und es war ungewöhnlich ruhig, wenn man von vereinzeltem Hämmern absieht.
Zuerst schauten wir bei der Seilherstellung zu, dann kamen wir zu einer Hütte vor der Holzschindeln hergestellt wurden, Schindeln mit denen die die umliegenden Hütten gedeckt wurden und auf denen sich mit der Zeit Moos bildet. Außerdem schauten wir beim Wolle färben zu und bei Steinmetzen vorbei, die Ziersteine aus Speckstein herstellten. Hier durften auch Kinder mithelfen und jeweils ihre eigenen Steine bearbeiten.

Arbeitspferd

Arbeitspferd

Dabei waren sowohl Mädchen als auch Jungs mit Feuereifer bei der Sache. Zwischendurch stolperten wir fast über zwei dicke Gänse, die aber recht friedlich waren, auch Schweine, Rinder, Esel, Hühner und Schafe bevölkerten das Gelände, allerdings meist in Gattern wohl verwahrt.
Später schauten wir uns das Haupthaus der Burg an, es war fast fertig. Türme und Mauern der Burganlage harren allerdings zum größten Teil noch der Fertigstellung.

So arbeitet man mit Speckstein

So arbeitet man mit Speckstein

Sancerre und Brantôme

Nach drei spannenden Stunden machten wir uns wieder auf den Weg, wir mussten leider weiter. Schließlich wollten wir spätestens am frühen Abend in Brantôme, eine kleine Stadt 30 Autominuten nördlich von Périgueux sein. Lieber früher als später, da wir keine Unterkunft gebucht hatten.
So fuhren wir auf kürzestem Weg bis zur Autobahn, aber nach wenigen Kilometern erschien eine Hinweistafel mit dem Wort Sancerre. Da ich neugierig war, den Namensgeber des gleichnamigen Weins zu sehen, folgten wir den Hinweisschildern. Die Stadt Sancerre thront recht imposant auf einem Berg, mit weitem Blick über die Weinberge der Umgebung.

Bauernlandschaft

Ruhige Bauernlandschaft in der Dordogne nördlich von Brantôme

Oben angekommen waren wir allerdings vom Ort Sancerre wenig beeindruckt. So fuhren wir nach kurzer Zeit weiter. Uns standen schließlich noch einige Stunden Autofahrt bevor, eine Fahrt, die erst über Autobahn und dann durch sehr einsame hüglige Landschaften mit hübschen Wäldern, malerischen Flüssen und Seen führte. Ziel der Tagesetappe war, wie bereits gesagt, Brantôme, eine kleine mittelalterliche Stadt, die durch den Fluss Dronne geschützt wird. Wir bekamen den letzten Stellplatz auf dem örtlichen Campingplatz, ein schöner Platz mit eigenem kleinem Sandstrand, fest in der Hand von Franzosen und Niederländern. Unser Zelt war schnell aufgebaut und so blieb Zeit, die Umgebung unter „die Lupe“ zu nehmen und sich nach der langen Strecke ein wenig auszuruhen.
Brantôme

Brantôme

Dordogne - Wochenmarkt im malerischen Brantôme

Morgens früh verstauten wir unser Zelt im Auto, parkten an der Rezeption und gingen zu Fuß zur Stadt, die nur einen Kilometer entfernt liegt. Brantôme ist eine malerische alte Stadt, die in einer Flussschleife liegt und so fast von allen Seiten von Wasser, der fröhlich strömenden, glasklaren und fischreichen Dronne, umgeben ist. Jeden Freitag findet hier ein überregional bekannter Wochenmarkt statt. Der Bauernmarkt war einer der Gründe, warum wir uns das recht unbekannte Brantôme an der Dronne als Zwischenziel ausgesucht hatten. Die Sonne schien, aber es war nicht zu warm, ideales Wetter für einen Wochenmarktbesuch. Da es noch früh am Tag war, herrschte zwischen den Ständen noch kein großes Gedränge.

Kayaks

Kayakfahrer in Brantôme

Der Markt von Brantôme ist ein »Muss« für jeden Besucher, der seinen Urlaub in der näheren Umgebung verbringt. Einen schöneren Ort kann man sich kaum vorstellen, um französische Produkte einzukaufen, ob frische Früchte, Obst, Gemüse, Pilze, Rindfleisch, Geflügel, Foi Gras, Rillettes, Fische, Muscheln, Austern und vieles mehr: Ein Paradies für jeden Hobbykoch und Gourmet.

Wir schlenderten über den Markt, machten Fotos von der Moulin de Abbye, einer alten Mühle, in dem heute ein Feinschmeckerrestaurant untergebracht ist und stöberten in einem Antiquitätengeschäft.
Nach einer kleinen Kaffeepause in einer der anliegenden Bars ging es langsam den Weg zurück zum Auto. Die Stadt hatte sich noch mehr mit einheimischen Marktbesuchern und Touristen gefüllt und an den Ufern der Dronne machten Kajakverleiher gute Geschäfte.

Bergerac

In der Innenstadt von Bergerac

Anschließend ging es weiter in Richtung Süden. An der Stadt Bergerac wollten wir gerne kennenlernen, was wir nicht bereuten. Der Ort mit seinen 27.000 Einwohnern liegt malerisch oberhalb der Dordogne. (Die Dordogne bildet übrigens zusammen mit der Garonne kurz vor der Stadt Bordeaux den Mündungstrichter der Gironde.) Wir schlenderten bergab bis zum Fluss, ich kaufte mir noch einige Flaschen Wein und eine kleine Flasche La Vieille Prune (im Holzfass gereifter Pflaumenschnaps) und dann ging es weiter in Richtung Süden.
Am Kanal de Garonne legten später noch einmal eine Pause ein und aßen etwas Obst und Baguette. Dabei beobachteten wir die Schiffe auf dem Kanal, Wassersportler und die Kajakfahrer der Wassersportschule, die sich nur wenige Meter entfernt befand.

Kanal de Garonne

Pause am Kanal de Garonne

Kanal de Garonne

Der Kanal de Garonne ist ein mehr als 150 Jahre alter Kanal, zu flach und schmal für die moderne Binnenschifffahrt und so wird das knapp 200 Kilometer lange Bauwerke heute meist von Kanuten und Hausbootfahrern genutzt. Die alten Uferwege zwischen Bordeaux und Toulouse, auf denen früher Pferde Lastschiffe ziehen mussten, sind noch gut erhalten und werden heute gerne von Radwandern genutzt.

Langsam machte sich der Einfluss der nahen Pyrenäen bemerkbar, die Landschaft wurde bergiger, so dass es auch auf der Straße streckenweise mächtig bergauf und bergab ging. Abends hatten wir Probleme einen Campingplatz zu finden, irrten auf den Hügeln von Jurancon herum, aber westlich von Pau hatten wir Glück und stießen auf ein Campingplatz-Hinweisschild, dem wir gerne folgten.

Campingplatz

Campingplatz unweit von Pau

Die Rezeption hatte eigentlich bereits geschlossen, aber es fand sich ein Klingelknopf. Nach dem Klingeln erschien eine Dame, wir erledigten die Formalitäten und bekamen einen Platz zugewiesen.
Der Campingplatz Le Terrier lag nett in einem Wald, die sanitären Einrichtungen waren in Ordnung, alles ging friedlich zu. Unser Zelt hatten wir schnell aufgebaut und ebenso schnell war ein Abendessen zubereitet und ein Glas Wein eingeschenkt. Es war warm und trocken, ideales Campingwetter.
Der Campingplatz Le Terrier liegt am Gave de Pau, einem wilden Vorgebirgsfluss, der von Wildwasserkajakfahrern aus ganz Europa geschätzt wird. Nett waren einfache, aber effektive Trimm-Dich-Geräte, die jedem Besucher unentgeltlich zur Verfügung standen.

Pyrénées-Atlantiques

Das Schloss von Pau

Das Schloss von Pau

Am Samstag besuchten wir zunächst einmal die Altstadt von Pau. Die Stadt ist nach Bordeaux die zweitgrößte des Aquitaine und die größte Stadt im Département Pyrénées-Atlantiques. Da es einige Umleitungen gab, fanden wir zunächst das Stadtzentrum nicht und fuhren mit dem Auto Umwege, aber schließlich konnten wir nördlich der Altstadt auf dem großen Platz Place de Verdun parken und die kurze Strecke zum historischen Pau mit Schloss und Kathedrale zu Fuß gehen, wobei wir an alten Befestigungsanlagen und einem Stadtgraben vorbei kamen. In der Altstadt angekommen schlenderten wir erst einmal durch die malerischen Gassen. Pau hat eine hübsche Altstadt, die allerdings morgens früh noch sehr ruhig wirkte. Die zahlreichen Restaurants lassen allerdings vermuten, dass es Abends deutlich lebhafter zugeht.

Innenstadt

Pau - Innenstadt

Weiter ging es, vorbei an einem monumentalen Denkmal für die Gefallen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Südlich der Altstadt hatten wir zudem einen wunderbaren Blick auf das Tal des Gave de Pau, die umliegenden Landschaft und die Pyrenäen. Danach besuchten wir die Kathedrale Eglise Saint Martin, zum Teil auch, um sie mit den Kirchenbauten von Reims, Troyes, Auxerre und Bergerac zu vergleichen. Uns gefiel die Kirche sehr gut. Sie strahlte mit ihren warmen Farben, ihren Ölgemälden an den Wänden, ihrer orientalisch wirkenden Kanzel und ihrer relativ bescheidenen Größe eine gewisse Harmonie aus, die anderen Kirchen fehlt, wirklich sehenswert!

Auch das Schloss der Stadt Pau gefiel uns, trotz einer gewissen Schlichtheit. In Pau ist übrigens Heinrich IV., von Navarra geboren worden, einer der beliebtesten Könige, die das Land je hatte...