Gerasa

Jordanien

Pferdewagen in Gerasa

Es gibt Länder, in die fliegt man mal soeben hin, der Urlaub ist okay und jeder weiß was ihn erwartet. Aber es gibt eine große Anzahl an Ländern, die nur wenige Urlauber besuchen, zu wenig ist über diese Länder bekannt, zu groß sind die Vorurteile und Ängste. Eines dieser Länder ist Jordanien. Schon vor meiner Abreise merkte ich dies. Am Frankfurter Flughafen kam ich mit einem Ehepaar ins Gespräch, das nach China fliegen wollte. Mein Reiseziel Jordanien kam ihnen sehr exotisch vor. Und auch Bekannte wunderten sich oder waren sogar besorgt: "Jordanien? Ist das nicht ein arabisches Land. Ist das nicht gefährlich?"

Amphitheater

Amphitheater in Gerasa

Gerasa

Nein, das ist es nicht. Zwar gab es Jordanien vor einigen Jahren mal einen Anschlag, aber das ist lange her und schließlich sind beispielsweise Madrid und London, trotz verheerender Anschläge in der Vergangenheit, gern besuchte Reiseziele.
Ich landete also eines schönen Herbsttages in der Hauptstadt Amman, holte meinen Koffer und machte mich auf den Weg ins Hotel Le Meridian.
Um den Hotelgästen höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten, wurden die Koffer vor dem Hoteleingang, wie auch an Flughafen üblich, durchleuchtet. Meiner Meinung nach ein überflüssiges Prozedere, aber sicherlich eine in der Bevölkerung willkommene Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Dana

Herbstliche Landschaft bei Dana

Dana

Unser erstes Ausflugsziel war die antike Römerstadt Gerasa. Am Eingang warteten kleine Shops auf Besucher. Die Inhaber versuchten aktiv ihre Waren oder Dienstleisten anzubieten, aber in keiner Weise so aufdringlich, wie man dies aus anderen arabischen Ländern kennt.
Unser Fremdenführer versuchte erfolgreich, mittels seiner Erzählungen, das Leben vor knapp 2000 Jahren wieder auferstehen zu lassen. Vor allem die Erläuterungen über die damalige Haupteinkaufsstraße Gerasas waren sehr spannend.

Blick auf Dana

Blick auf Dana

Auch das Amphitheater und die Ruinen der später erbauten byzantinischen Kirchen besichtigten wir. Sehr interessant war auch der Zeustempel, dessen Säulen durch eine Art Kugellager aus Eisen vor Erdbeben gesichert wurden: wirkliche beeindruckend. Übrigens, die Erdbebensicherung hat, wie man noch heute sieht, funktioniert! Es regnete zwar, aber trotzdem schauten wir uns noch ein römisches Wagenrennen und einem Schaukampf in der Arena von Gerasa an.

Außerdem stand am ersten Tag ein Besuch im archäologischen Museum von Amman auf dem Programm. Hier waren zahlreiche Fundstücke aus ganz Jordanien zu sehen, interessante und wunderschöne Kunstwerke.
Vom Museum, das auf einem Berg liegt, hat man einen sehr guten Blick auf Amman, den wir uns auch nicht entgehen ließen. Danach aßen wir im Sheraton Hotel in Amman zu Abend. Das Buffet war lecker, die Produkte frisch zubereitet und zudem sorgte ein charmantes Damentrio für angenehme musikalische Untermalung.

Schatzhaus des Pharaos

Das sogenannte Schatzhaus des Pharaos

Petra

Am nächsten Tag ging es in den Westen Jordaniens. Wir wollten das Biosphärenreservat Dana besuchen. Das mehr als 300 Quadratkilometer große Reservat ist Rückzugsgebiet zahlreicher seltener Tierarten, wie Gänsegeier, Rötelfalke, Kaffernadler. Nubischer Steinbock, Wüstenluchs, Syrischer Wolf und Streifenhyäne. Allerdings bekamen wir keine Tiere zu sehen. Vielleicht war es ihnen, wie auch uns, zu kalt. Vor allem der Wind raubte dem Körper, trotz warmer Bekleidung, reichlich Energien. Hinzu kam bei mir eine kleine Magenverstimmung, die am nächsten Tag zum Glück vorbei war.

Trotzdem besichtigten wir das sehr ursprüngliche Dorf Dana, ein Ort in dem das 21. Jahrhundert, mit Ausnahme des Besucherzentrums, noch nicht Einzug gehalten hat. Wir besuchten auch das einzige Hotel des Ortes, ein Minihotel für Gäste, die mit wenig Luxus auskommen. Trotzdem war es sehr gemütlich und einladend. Die Preise sind sehr niedrig, das Essen lecker. Das Besondere an dem Dorf ist die Ruhe und die absolut klare Gebirgsluft. Dana ist zudem ein beliebter Ausgangspunkt für mehrtägige Wanderungen.

Schatzhaus des Pharaos

Das Highlight am Eingang zur ehemaligen Stadt Petra

Am Abend reisten wir nach Petra und aßen im Mövenpick Hotel zu Abend. Anschließend stand eine Tour mit Namen "Petra bei Nacht" auf dem Programm. Es war Vollmond, klarer Himmel und der Mond schien romantisch in den Siq, eine Schlucht, die zum berühmten Schatzhaus des Pharaos führt.
Es hätte wirklich schön sein können, da sich fast alle Besuchter in der 1,5 Kilometer langen und teilweise nur zwei Meter breiten Schlucht gut verteilten. Aber: Fast jeder Besucher meinte das Schauspiel fotografieren zu müssen. Uns so blitzte es von vorne, von hinten und von der Seite.

Esel

Wer will, der kann Reiten

Unromantisch

An ein Genießen der mondhellen Nacht und der einmaligen Stimmung war so nicht zu denken. Vor dem Felsendom bekam jeder einen Tee serviert, aber mir war die Stimmung gründlich verdorben, vor allem deshalb, weil auch hier die Blitzerei nicht aufhörte. Das musikalische Programm konnte den Abend leider auch nicht mehr retten, die wohl beabsichtigte mystische Stimmung stellte sich bei mir nicht ein.

Petra

Blick über Petra

Dafür wurde es am nächsten Tag umso schöner, die Temperaturen waren optimal, nicht zu warm und nicht zu kühl, die Sonne schien und unser Reiseführer erklärte uns ausführlich die Geschichte der Felsenstadt und ihrer Bewohner. Auch auf die abenteuerliche Wiederentdeckung der Stadt, die über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war, ging er ein.
Petra hatte, nach der Verlagerung der Handelsrouten, zweier verheerender Erdbeben und Eroberung durch die Araber im 7. Jahrhundert mehr und mehr an Bedeutung verloren. Die Bewohner gaben die Stadt schließlich ganz auf. Nur verschiedene Beduinenstämme ließen sich hier nieder und bewachten sogar den Eingang zur Stadt. Die Beduinen glaubten, dass in Petra Schätze versteckt sein müssten und suchten Jahrhunderte lang vergeblich nach ihnen. So ist auch das berühmte "Schatzhaus des Pharaos" kein Schatzhaus, wie die Beduinen glaubten, sondern nur eines von vielen Felsengräbern, allerdings eines der Schönsten und Imposantesten.

Petra

Im Zentrum von Petra

Ebenso beeindruckend ist die sogenannte Königswand mit verschiedenen großen Felsengräbern. Überhaupt sieht man in Petra hauptsächlich Gräber, die Wohnbebauung ist durch die Erdbeben fast vollständig zerstört worden. Viel besucht ist auch das Felsgrab Ed-Deir. Die "aufgesetzte" Urne, eine Kuppel oberhalb des Felsengrabes ist bereits von unten zu sehen, aber das vollständige Bauwerk erreicht man nur über einen steilen, durch viele Treppen unterbrochenen Pfad.
Für mache ist das Felsengrab das schönste Monument Petras. Der Weg wird hinter El-Deir etwas leichter und nach einigen Minuten erreicht man einen tollen Aussichtspunkt, von wo aus man weit ins Jordantal hineinschauen kann: toll!

Weg

Abenteuerliche Wege

Auch wir besuchten die bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Petra, allerdings sahen wir auch nur einen kleinen Teil der Stadt, die immerhin 36 Quadratkilometer groß ist. Mittagessen gab es einem großen Restaurant, am Fuße des Fußweges nach El-Deir.
Nachdem wir als letzten Programmpunkt die Aussicht ins Jordantal genossen hatten, ging es zurück. Wer wollte konnte per Esel, Kamel oder Pferd aus Petra herausreiten, wir allerdings marschierten zu Fuß, eine herrliche kleine Wanderung bei beginnender Dämmerung und langsam heraufziehendem Mond.
Abends stand noch jordanisch Kochen auf dem Programm. Eine Veranstaltung, die einen echten Hobbykoch leider nur wenig forderte.

Wadi Rum

Abends im Wadi Rum

Am nächsten Tag ging es nach Süden ins Wadi Rum. Wadi bedeutet Tal, allerdings ist das Wadi Rum ein sehr groß und breites Tal, unbedarfte Mitteleuropäer würden den Teil des Landes ganz profan als Wüste bezeichnen. Wir unternahmen eine geführte Geländewagentour, besichtigten verschiedene historische Städten, eine Felsenbrücke und wurden über die Flora und Fauna der Region informiert.
Anschließend, es war inzwischen später Nachmittag, wurde uns ein typisches Beduinenmenü, bestehend aus vielen Gemüsegerichten, Reis und Lamm serviert. Es wurde langsam dämmrig, als wir schließlich zu einer kleinen Dromedar-Tour aufbrachen.
Naja, da das Tier nur Schritt ging und geführt wurde, war es kein besonders gefährliches Unternehmen. Nur als das Tier sich erhob, erst halb mit dem Hinterbeinen und dann kann halb mit den Vorderbeinen, dann ganz mit den Hinterbeinen. Schließlich hatte das arme Tier auch seine Vorderbeine sortiert und steht aufrecht und stolz im Sand. Wir hielten uns gut am Sattelknauf fest, so war die Schaukelei beim Aufstehen des Dromedars kein Problem.

Rast-Kamel

Rast in der Wüste

Danach ging es recht gemütlich weiter. Der Führer meines Tieres war ein kleiner Junge namens Mohammed, der sichtlich stolz sein Dromedar mit mir im Sattel in die Wüste führte. Schließlich machten wir halt, wir vertraten uns etwas die Beine und warteten auf den Mondaufgang. Der Mond schien uns viel näher, heller, größer als in Mitteleuropa und außerdem hatten wir das Gefühl, dass er viel schneller über den Bergen auftauchte und gen Himmel wanderte.
Es war ein wunderschöner Anblick, aber trotzdem, nach einer Weile brachen wir wieder auf, stiegen auf die Dromedare, die Schaukelei kannten wir ja jetzt schon und ritten gemütlich auf dem Rücken der Dromedare zurück zum Camp.
Durch die nächtliche Wüste und später auf der Autobahn ging es weiter in Richtung Aqaba. In Aqaba checkten im Hotel Interconti ein, tranken noch einen Cocktail und genossen den Ausblick aufs Rote Meer.

Aqaba

Am nächsten Tag sollte es zum Schnuppertauchen im Roten Meer gehen. Wir fuhren auch ab, aber die See war sehr ruppig, was auch einigen aus der Gruppe gar nicht gut tat. So drehten wir am Ziel, einer kleinen Bucht mit einer kleinen Mole zum Anlegen, wieder um: An ein Anlegen war bei der unruhigen See nicht zu denken.
Wer keine Probleme mit Seekrankheit hatte, der konnte die Seefahrt entlang der Küste Jordaniens trotzdem genießen: Der Blick erst über die Stadt Aqaba mit seinen Hotelanlagen am Ufer, dann der Hafen, der einzige des Landes und anschließend die Wüste, die weiter südlich direkt ans Rote Meer stieß.
Unweit des Ortes unseres geplanten Tauchgangs lag die Grenze zu Saudi Arabien, auf der anderen Seite des Roten Meeres Ägypten und nördlich von Aqaba konnte man bereits die israelische Stadt Eilat erkennen.

Aqaba

Aqaba vom Meer aus gesehen

Da das Tauchen ausgefallen war, blieb etwas Zeit die herrliche Poollandschaft im Interconti zu genießen. Nachmittags machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt von Aqaba, ein etwa zwanzig minütiger Fußmarsch.
Die Innenstadt der Stadt war exotisch, aber in Maßen. Es herrschte eine angenehm lebendige Stimmung und wir konnten in Ruhe die Auslagen der Geschäfte betrachten und etwas Shoppen gehen. Abends stand ein kleiner Rundgang durch das Mövenpick Resort auf dem Programm. Es war ebenso luxuriös wie unser Interconti, vielleicht noch etwas moderner.

Pool

Pool in Aqaba

Anschluss nahmen wir im Mövenpickhotel unser Abendessen ein, ein wunderbares Menü mit jordanischen Spezialitäten, aber modern, d.h.leichte kleine und hübsch angerichtete Portionen die ausgezeichnet schmeckten.
Dazu tranken wir einen jordanischen Rotwein! - Ich wusste gar nicht, dass in Jordanien Wein hergestellt wird, aber im Haschemitische Königreich leben auch einige Tausend Christen und Angehörige anderer Religionen, die Wein trinken dürfen.

Am nächsten Morgen ging es zur letzten Station der Reise. Die Fahrt ging entlang der israelischen Grenze nach Norden. Die wüstenähnliche Landschaft wurde nur durch üppiggrüne Felder jenseits der Grenze unterbrochen. Es war unschwer zu erraten, dass hier kräftig bewässert werden konnte.
Das Merkwürdige an an der Fahrt: Obwohl wir in Meereshöhe gestartet waren, ging es stetig bergab, aber das war kein Wunder, da das Ziel der Fahrt das Tote Meer war. Das Tote Meer liegt mehr als 420 Meter unter dem Meeresspiegel und der Wasserspiegel sinkt jedes Jahr weiter. Wir fuhren eine ganze Weile am Toten Meer entlang. Normalerweise sieht man auf großen Gewässern Boote oder Schiffe: Segler, die ihrem Hobby nachgehen, Angler, die auf den großen Fang hoffen oder einfach nur Schwimmer oder plantschende Kinder.

Totes Meer

Am Toten Meer

Nichts von alledem war zu sehen und auch Uferbauten fehlen. Der Grund für alledem ist der hohe Salzgehalt, der so hoch ist, dass kein Leben im Wasser zu finden ist. Auch sollte niemals Wasser in die Augen gelangen, es würde höllisch brennen. Eigentlich kann man am Totel Meer nur vorsichtig ins Wasser gehen und sich auf den Rücken legen. Das Wasser ist sehr gut für die Haut und hilft bei diversen Beschwerden und auch der Uferschlamm soll sehr gesund sein.
In unserem Hotel angekommen probierten wir all dies aus. Es war allerdings problematisch ins Wasser zu gelangen, da der gesamte Uferbereich sehr glitschig ist. Es waren Handläufe installiert, trotzdem ist Vorsicht angebracht. Im Wasser kann man etwas schwimmen, untergehen kann man nicht. Der Auftrieb ist so hoch, das man nicht mal den Hals unter die Wasseroberfläche bringen kann. Wer sich bis zum Hals mit Uferschlamm eingeschmiert hat, hat Probleme ihn im Wasser wieder zu entfernen, aber am Ufer stehen überall Duschen mit Süßwasser zur Verfügung.

Da es auf die Dauer langweilig ist, im Wasser zu liegen und nichts zu tun, gibt es in den großen Hotels verschiedene Pools, Tennisplätze, Wellness- und Spabareiche, Shoppingmöglichkeiten und ausgedehnte Grünfläche zwischen den Appartements.
Auch für das leibliche Wohl wird in den Hotels am Toten Meer gesorgt. Den Gästen stehen verschiedene Restaurants und Bars zur Verfügung.
Obwohl wir gerne einige Tage geblieben wären, um alle Möglichkeiten des Hotels kennen zu lernen und mal so richtig zu entspannen, mussten wir am nächsten Tag sehr früh aufbrechen, um unseren Flug in Amman zu bekommen.