Lübeck

Ein Lübeck - Ratsherr erzählt

Ein Wochenende in Lübeck

Anfang September besuchte ich Lübeck, um die Stadt und vor allem seine Museen und anderen Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Es war auch höchste Zeit, viele andere Städte in Schleswig-Holstein kannte ich schon lange, aber Lübeck, die flächenmäßig größte Stadt des Bundeslandes leider nicht. Außerdem wurde in der Region um Lübeck, z.B. in Travemünde, schon vor über 100 Jahren gerne Urlaub gemacht.

Schweinebraten mit Buchweizen

Schweinebraten mit Buchweizen

Naja, der Empfang war nicht so doll, es regnete in Strömen. Da passte es, dass am Hauptbahnhof der Verkehrsverein liegt, dem ja, nach eigenen Aussagen, das »Wohl der Gäste der Hansestadt Lübeck« sehr am Herzen liegt. Das stimmte aber leider so gar nicht, die Mitarbeiter vor Ort hatten von von den laufenden Ausstellungen in Lübeck keinerlei Ahnung und hatten von einigen Museen noch nie etwas gehört, kassierten ab freudig zwei Euro für einen kleinen Stadtplan; vergleichbare werden in vielen Städten kostenlos ausgelegt. - Naja! -

Lübeck: Holstentormuseum und Marienkirche

Holstehafen

Allerdings lag auf dem Weg zum Holstentor (vom Bahnhof kommend, rechts vor dem Holstentor) das Touristenbüro mit kompetenten Mitarbeitern, was meine gute Laune dann wieder herstellte.

Da der Regen immer schwächer wurde und schließlich seine Arbeit fast ganz einstellte, war das Kennenlernen der Stadt Lübeck dann doch noch ein Vergnügen. Lübeck präsentierte sich lebendig mit nordischem Charme. Manchmal wurde ich an Flensburg erinnert, allerdings ist die Lage eine andere. Flensburg liegt am Ende der gleichnamigen Förde mit teilweise steil ansteigenden Straßen, während die Altstadt von Lübeck auf einer Insel liegt und nur moderate Steigungen anfzuweisen hat.

Petrikirche

Petrikirche

Im Holstentormuseum lief die Ausstellung »Die Macht des Handels«, interessant für jeden der sich für Geschichte, Handwerk und Handel interessiert. So eine Museumsbesuch hat ja den Sinn vorhandenes Wissen aufzufrischen, zu ergänzen und in einem anderen Zusammenhang zu sehen. Gott-sei-Dank ist es ja immer noch ein Unterschied etwas »in Echt« zu sehen, trotz aller Möglichkeiten der modernen Technik.

Buddenbrookhaus

Buddenbrookhaus

Nachdem ich mich kurz auf dem Stadtplan orientiert hatte, schlenderte ich weiter in Richtung Marienkirche. Die Marienkirche ist eines der Highlights Lübecks, die man gesehen haben sollte. Mit ihr wurde der französische Gotik-Stil des 13. Jahrhunderts mit norddeutschem Backstein umgesetzt. Das Mittelschiff der Marienkirche ist mit fast 40 Metern das höchste Backsteingewölbe der Welt. Eine schlichter und imposanter Kirchenbau in dem Werke moderner Künstler, wie Günther Uecker, zeitgemäße Akzente setzen durften.

Luebeck-Hospital

Hospital

Buddenbrookhaus und Kulturforum Burgkloster

Während des Tages stand bei noch die Ausstellung »Frühes Gold aus Norddeutschland« im Kulturforum Burgkloster auf dem Programm. Über 100 wertvolle Preziosen von der Jungsteinzeit bis zum Barock und diverse interessante Erläuterungen zur Goldgewinnung und Goldverarbeitung lohnen einen Besuch.

Aber auch die verschiedene Dauerausstellungen zur Archäologie und zur Geschichte der Stadt Lübeck sollte man sich hier in der bedeutendsten Klosteranlage Norddeutschlands nicht entgehen lassen.

Petrikirche

In der Petrikirche

Kein Freund der Literatur wird Lübeck wieder verlassen, ohne das Buddenbrookhaus besucht zu haben. Mit der Etablierung dieser Gedenk- und Forschungsstätte wurde dem Wunsch vieler Literaturfreunde in aller Welt entsprochen: Eine Würdigung der Leistungen der Familie Mann, vor allem an die der Brüder Thomas und Heinrich Mann.

Festmahl im Kulturforum Burgkloster

Abends stand ein mittelalterliches Festmahl im Burgkloster auf dem Programm. Die Speisen wurden in zünftiger Umgebung serviert, waren aber dem heutigen Geschmack angepasst.

Das Menü bestand aus: Galantine vom Perlhuhn, Hechtklößchen mit Perlgraupen, Biersuppe, Spanferkel mit Buchweizenpfannekuchen, Kraut und Kastanien und Armer Ritter auf Holundermark. Ich denke vielen Teilnehmern des Festschmauses hätte man vor allem bei den Getränken, durchaus etwas authentischeres, zumuten können. Bekanntermaßen liebte man im Mittelalter eher würzige, aromatische Getränke, italienische, trockene Weine, wie serviert, fanden doch eher selten den Weg nach Norden.

Der Abend war sehr kurzweilig, vor allem die mittelalterliche Tafelmusik und die launische, mit zahlreichen Anekdoten gewürzten Einführungen ins mittelalterliche Allltagsleben waren ein Erlebnis.

Leider konnte ich in die Museenlandschaft Lübecks nur »reinschnuppern«, meine Zeit reichte nicht mehr für das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk , die Selbstporträtsammlung Leonie von Rüxleben oder die Ausstellung Hanna Jäger – Zeichnungen, Malerei, Lichtobjekte...