Argelès-sur-Mer

Umzug in Argelès-sur-Mer

Reisebericht Pyrénées-Oriental

Das Département Pyrénées-Oriental ist eine Provinz in der Region Languedoc-Roussillon und eine der schönsten und wettersichersten Urlaubsregionen Frankreichs. Pyrénées-Oriental liegt kurz vor der spanischen Grenze, am Fuße der Pyrenäen. Ein Urlaub hier hat seinen ganzen eigenen Charme, da man sich in Südfrankreich nicht deutschen, englischen oder skandinavischen Interessen unterordnet, wie das in anderen Urlaubsländern rund ums Mittelmeer oft der Fall ist. Der Grund: Hauptsächlich Franzosen verbringen hier ihren Sommerurlaub. Aber nicht nur Familien, auch und gerade für junge Urlaubern bietet die Region interessante Möglichkeiten, fernab der üblichen Jugendprogramme. Junge Menschen, die Sport treiben und trotzdem Party feiern wollen und dabei ihr Englisch oder Französisch testen möchten, finden hier ein ideales Betätigungsfeld.

Plage du Racou

Argelès-sur-Mer - am Plage du Racou

Ankunft in Argelès

An einem Donnerstag Abend landeten wir auf dem Flughafen von Perpignan. Bereits am Kofferband machte sich die Lockerheit der Südfranzosen bemerkbar, zu unserem Erstaunen konnten Verwandte oder Freunde die Ankommenden bereits am Kofferband in Empfang nehmen! Unsere Koffer kamen zügig und so saßen wir schnell im Mietwagen und fuhren nach Argelès-sur-Mer, einem sehr beliebten Badeort und mit fünfzig Anlagen die Campinghauptstadt Europas (Wovon wir nicht allzuviel merkten).
Da es bereits spät war - wir hatten über Paris fliegen müssen und zudem den Flughafen gewechselt - aßen wir im Hotel und tranken ein Glas roten Banyuls, einen süßen Qualitätsrotwein aus der Region und kamen nach dem langen Tag so langsam zur Ruhe.

Port Vendres

Hafen von Port Vendres

Am nächsten Tag stand als erstes eine Bootsfahrt auf dem Programm. Vom Hafen von Argelès ging die Fahrt auf dem kleinen Kutter Albatros die Küste entlang in Richtung Süden, vorbei an der historischen Hafenstadt Collioure mit ihren alten Wehranlagen.
Es herrschte ein mäßiger Seegang, so dass das Schiff angenehm schaukelte, die Sonne schien und so konnten wir die abwechslungsreiche Küstenlandschaft mit ihren Felsklippen, Stränden, Weinbergen, Leuchttürmen und kleinen Orten richtig genießen. In der hübschen Bucht von Port-Vendres steuerten wir den Hafen an, nahmen neue Fahrgäste auf und tuckerten nach einer kleinen Pause langsam weiter.
Nachdem die Albatros am südlichsten Punkt der Schiffstour, in der Bucht von Paulilles - einem Meeresschutzgebiet - angekommen war, wendete sie und fuhr langsam in Richtung Norden zurück.

Restaurant La Littorine

Thunfischsteak und Entenleber im Restaurant La Littorine

Nach der angenehmen Schiffstour schlenderten wir zum Auto zurück, das kostenlos auf einem öffentlichen Parkplatz abgestellt war und fuhren in Richtung Süden bis nach Banyuls, schließlich wollten wir im Restaurant La Littorine am Plage des Elmes. (www.hotel-des-elmes.com) zu Mittag essen. Am Plage des Elmes gibt es einen feinen Sandstrand, den die Beachvollyballer im Juli und August ausgiebig für Turniere nutzen, aber im Juni ist es hier eher ruhig.
Im Restaurant La Littorine direkt an der Bucht wartete ein recht üppiges, aber sehr leckeres Menü auf uns. Es wurde fachgerecht und freundlich serviert und bestand aus einem Parfait aus Stockfisch und Zucchini mit einem kleinen Salat, Thunfischsteak mit Entenleber, eine Käseauswahl vom Wagen und einem Dessertteller bestehend aus Orangensülze, Roten Früchten in Banyuls-Wein und einem Pistazieneis unter einem Mandel-Tuiles.

Katalanische Holzboote

Katalanische Holzboote vor der Bootshalle in Paulilles

Das Restaurant ist von der Organisation „Les Touques Blanches du Roussillon“ ausgezeichnet worden. Nur 38 Restaurants aus dem Roussillon wurden bislang aufgenommen, Restaurants, deren Küchenchefs die Produkte der Region in herausragende Gerichte umwandeln. Leider bewölkte es sich während des Essens und fing sogar leicht an zu regnen. Ein Regen, der im Laufe des Nachmittags auch kurzzeitig stärker wurde, aber insgesamt nicht wirklich störte. Auch nicht beim Besuch in Paulilles, dem Gelände einer ehemaligen Dynamitfabrik von Alfred Nobel. Die Sprengstofffabrik produzierte hier von 1870 bis 1984 und war ein wichtiger und recht sozialer Arbeitgeber. Von den ehemals zahlreichen Fabrikhallen, Arbeiterhäusern und anderen Gebäuden ist nur wenig übrig geblieben, aber einige wesentliche Gebäude sind in den letzten Jahren wieder in Stand gesetzt worden und auch ein kleines Museum fehlt nicht. Interessant war die Bootshalle, vor der traditionelle katalanische Holzboote liebevoll restauriert wurden.
Collioure

Gasse in Collioure

Ein wesentlicher Punkt für die Beliebtheit der Bucht von Paulilles ist die hübsche Lage in einem Tal direkt am Meer, ein Gelände mit einer gepflegten Gartenanlage, dem ehemaligen Direktorenhaus und einem schönen Strand in einer traumhaften Bucht. Eine gute Übersicht bekommt man vom Turm La Vigie (der Ausguck). Der Eintritt in die Anlage ist übrigens frei und auch das Parken ist kostenlos.
Leider war es weiterhin bewölkt, was für Landschaftsfotos selten optimal ist, allerdings hatten wir die Bucht, die zu einem streng geschützten Unterwasser-Naturschutz gehört, bereits am Vormittag bei Sonnenschein vom Meer aus gesehen.
Etwas später ging es dann nach Collioure, einer 2.500 Jahre alten Hafenstadt, die auch im 21. Jahrhundert ihren Reiz und ihre Schönheit nicht verloren hat.

Collioure

Der Hafen von Collioure

Der Trumpf von Collioure: Nachdem Collioure militärisch und wirtschaftlich an Bedeutung verloren hatte, veränderte sich hier Jahrhunderte lang nicht mehr viel. Ab Anfang der sechziger Jahre gewann der Tourismus deutlich an Bedeutung, viele Bürgerhäuser wurden nach und nach restauriert und in Hotels, Restaurants, Galerien und Shops umgewandelt. Vor allem die Galerien bestimmen heute das Erscheinungsbild der Einkaufsstraßen, schließlich ist Collioure das künstlerische Zentrum des Languedoc-Roussillon - und das aus gutem Grund. Anfang des 19. Jahrhunderts kamen bedeutende Maler wie Henri Matisse, Georges Braque, André Derain und Pablo Picasso nach Collioure und machten es weit über die Grenzen der Region bekannt. Den damaligen Ruhm vermarktet die Stadt immer noch sehr erfolgreich.

Wir bummelten durch die malerischen Gassen von Collioure, lauschten einem öffentlichen Klavierkonzert und strebten um 19.00 Uhr zum Restaurant Casa Léon, ebenfalls eine Topadresse, die wie das La Littorine zu den „Les Touques Blanches du Roussillon“ gehört. Hier beschränkten wir uns auf drei Gänge: Carpaccio von Jakobsmuscheln, Pavé vom Thunfisch und Pa d´ous, ein typisches Dessert der Region.

Blick auf Collioure

Vom UCPA-Zentrum in Saint-Cyprien und Hochseilklettergarten in Argelès

Nachdem der erste Tag mit Bootstour, Paulilles und Collioure Programmpunkte hatte, die für jüngere und ältere Urlauber gleichermaßen interessant waren, standen am Samstag die Möglichkeiten für junge und jung gebliebene Urlauber im Mittelpunkt. Aus diesem Grund ging es am Vormittag zum UCPA-Zentrum in Saint-Cyprien, einem Badeort nördlich von Argeles. Es gibt etwa 100 UCPA-Zentren in Frankreich und weitere in 70 Ländern auf der ganzen Welt (allerdings nicht in Deutschland). Sicherlich der Hauptgrund, dass diese Organisation bei uns wenig bekannt ist. Der Verband, der eine Art gemeinnütziger Verein mit staatlicher Unterstützung ist, hat verschiedene Ziele.
Erstens, die Förderung von sportlichen Aktivitäten von Jugendlichen, auch die die Ausbildung von Sportlehrern und Übungsleitern.

Fischer in Argeles

Zweitens, die Integration und das Kennenlernen von Menschen verschiedener Religionen und sozialer Herkunft. Außerdem verwaltet die UCPA, im Auftrag von Kommunen und privaten Trägern, Sportstätten und größere Schwimmzentren. Die Anlage des UCPA in Saint-Cyprien liegt wunderbar im Grünen und bietet zahlreichen Sportkurse an. Bei den Kursen kommt ein Trainer auf zehn Teilnehmer, wobei für ausländische Gruppen auch Trainer mit guten Fremdsprachenkenntnissen bereit stehen. Die allgemeinen Einrichtungen werden aber auch gerne von Geschäftsleuten für Besprechungen genutzt. An dem besagten Samstag fand beispielsweise eine kleine Konferenz des französischen Rugby-Dachverbandes statt. Der sportliche Leiter der Anlage, Monsieur Yvan Garsavanoff, führte uns durch das Gelände des UCPA, zeigte uns die Tennishalle, die Tennisplätze, das Schwimmbad, das Rugby-Stadion und die Parkanlagen. Der benachbarte Botanische Garten hat leider nur nachmittags geöffnet und so konnten wir nur von außen einen Blick erhaschen.
Hochseilgartenrettung

Freizeitpark Argelès Aventure - `Hilfe´ kommt schnell

Als wir nach einer Stunde zurück im Zentrum waren, bauten die Köche gerade das Mittagsbufett auf: Es sah gut aus, vitaminreicher und leckerer als in vielen Hotelanlagen, mit viel Salat, Gemüse, frischem Obst und Joghurt. Auch Fisch, Fleisch, Nudeln, eine große Paella, Käse und diverse Eissorten fehlten nicht.
Wir hätten gern mitgegessen, aber für uns war woanders ein Tisch reserviert. So begnügten wir uns mit einigen hausgemachten Boquerones (marinierten Sardellen) und verabschiedeten uns anschließend ins Restaurant „La Reserve“ direkt an der Promenade von Argeles. Das Restaurant hat eine große Anzahl von Sitzplätzen und war gut frequentiert. Wir ließen uns das Essen schmecken bevor es weiterging.

Im Canyoning-Park

Es war nur eine kurze Fahrt zum Freizeitpark Argelès Aventure. Die Anlage besteht aus zwei Teilen, einem Canyoning-Bereich und einem Hochseilklettergarten. Wir legten uns Gurte an, marschierten in den Kletterbereich und lauschten der Einführung eines Parkmitarbeiters. Die Technik war im Grunde recht einfach. Das Wichtigste: immer gesichert bleiben. Jeder hatte zwei Gurte mit Sicherheitskarabiner mit denen er sich sichern konnte und auch beim Umstecken an Hindernissen blieb einer der Gurte immer am Sicherungsseil. Und das klappte auch wunderbar.
Für die Rollstrecken gab es zudem noch eine Rolle, an der beide Karabiner befestigt werden konnten.

Argelès-Boote

Boote im Hafen von Argelès

Bevor es losging, gab es noch den Hinweis auf die verschiedenen Farben der unterschiedlichen Kletterstrecken: Violett für kleinere Kinder, dann grün, blau, rot und Schwarz. Wir fingen mit blau an, verlegten uns später auf rot, was auch noch keine Schwierigkeiten machte und machten mit Schwarz weiter.
Die erste schwarze Gleitstrecke hatte es in sich, vor allem für jemanden wie ich, der nicht frei von Höhenangst ist. So absolvierten wir verschiedene Strecken, anstrengende Abschnitte, die Konzentration, Schweiß und Kraft kosteten. Eine Strecke sah besonders fies aus, das Vorwärtsbalancieren auf einem Schaukelparcour. Aber sie sah nicht nur so aus, sondern da ich keine echte Strategie hatte, kostete sie besonders viel Nerven und Kraft, so dass nach zwei Drittel der Strecke die Hände verkrampften und zudem die Lust zum Weitermachen weg war - absolut weg.
Und so stand ich da, holte mehrmals tief Luft versuchte das Problem mit Vernunft zu lösen, allerdings half dies so gar nicht.

Band in Argelès

Musikband abends in Argelès

Aber Hilfe nahte von hinten und unten. Ein Parkmitarbeiter sorgte für eine größere Stabilität der Sprossen und von unten gab es die passenden Tipps, welches Bein und welcher Arm jeweils wohin gesetzt werden sollten. Nach wenigen Minuten war meine persönliche Horrorstrecke bewältigt. Danach kam eine recht einfache Strecke über Holzbalken, die sich nur vor und zurück bewegen konnten und dann ein Gleitstück: geschafft. Die Kehle schrie nach etwas Flüssigem und am späten Nachmittag darf man schon mal ein Bier trinken. So genehmigte ich mir eins und hinterher ein dickes Eis.
Am Abend wurde im „Le Cactus Bleu“ unweit des Strandes Plage du Racou zu Abend gegessen, einem Restaurant für den kleineren Geldbeutel, aber mit durchaus schmackhaften Gerichten: Salate, Pizzen, Hamburger, Crêpe und Galette. Abends fand auf der Strandpromenade von Argelès ein Blumenkorso (Corso Nocturne) statt, ein kleiner lebhafter bunter Umzug mit einigen Wagen sowie Fuß- und Tanzgruppen.

Beim BMX-Contest

Perpignan - Stadtbummel und ein Event

Am Sonntag ging es nach Perpignan. Dort besuchten wir die Jugendherberge der Stadt, schauten uns die Zimmer an, tranken einen Kaffee, unterhielten uns sehr nett mit dem Leiter des Hauses und machten danach einen kleinen Rundgang durch die historische Stadt. Das nordkatalonische Perpignan gehörte Jahrhunderte lang zu verschiedenen Königreichen (Aragon, Mallorca) und erst seit 350 Jahren zu Frankreich. Die Stadt mit ihren 155.000 Einwohnern ist die südlichste und eine der beliebtesten Großstädte Frankreichs. Dies liegt an dem günstigen Klima, das die Stadt zu einem idealen Ganzjahres-Reiseziel macht. Sicherlich würden auch mehr ausländische Gäste die tausendjährige Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten und dem lebhaften Altstadtviertel besuchen, wenn es mehr Direktverbindungen, zum Beispiel von Deutschland aus, geben würde.
Perpignan - Place Arago

Perpignan - Place Arago

Im Laufe des Tages wurde es spürbar wärmer und so waren wir froh, uns vor dem Restaurant „Le Vienne“ am Place Arago in den Schatten setzen zu können. Nach einem leckeren Essen ging es zum angekündigten Höhepunkt der Reise - dem Festival der alternativen Trendsportarten, ein Festival für junge Leute, aber auch für Familien mit Kindern. Vielleicht wäre es von den Veranstaltern intelligenter gewesen den Ausdruck Trend zu streichen und herkömmliche Nischensportarten mit ins Programm aufzunehmen, um das Ganze breiter anzulegen. So bot das Festival, man könnte es auch als Jugendmesse bezeichnen, einige sehenswerte Programmpunkte, wie Break Dance und BMX-Wettbewerbe und außerdem eine recht erotische Motorshow. Die Veranstaltung ist eine nette Abwechslung, wenn man im Languedoc-Roussillon Urlaub macht, aber für die meisten deutschen Jugendlichen sicherlich kein Grund aus dem Ausland extra deswegen anzureisen.
Girl-Car

Cargirls auf der Motorshow

Der letzte Abend in Argelès

Abends ging es zurück nach Argelès. Nach einem kleinen Spaziergang auf der Promenade marschierten wir zum Yachthafen, zum Quai Vasco de Gama. Es war ein lauer Sommerabend, etwas bewölkt und windstill. Am Hafen schauten wir noch einige Minuten einer Volkstanzgruppe zu, um dann zum Essen zu gehen. Das letzte Dinner der Reise genossen wir im Restaurant „Le Bouchon“. Nach einigen Austern bestellte ich mir Muscheln nach Art des Hauses (in Sahne gekocht): lecker. Noch ein Dessert und dann ging es zurück ins Hotel. Von dort fuhren wir am nächsten Tag zum Flughafen, nach Paris-Orly und vom Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle zurück nach Düsseldorf. Allerdings war eine Startbahn für 40 Minuten durch ein Fahrzeug blockiert, aber der nette Service der Air France verkürzte uns die Wartezeit, mit einem Gläschen Champagner Jacquart und kurz vor 18.00 Uhr war dann die sehr interessante und schöne Reise zu Ende.